Pelmeni mit Smetana und Wodka Russischer Standard

Pelmeni mit Smetana und Wodka Russischer Standard
Pelmeni mit Smetana
Erläuterung

Advertisements

The URI to TrackBack this entry is: https://gourmandise.wordpress.com/2014/07/28/pelmeni-mit-smetana-und-wodka-russischer-standard/trackback/

RSS feed for comments on this post.

7 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Um mich allmählich doch ein wenig unter Druck zu setzen, verrate ich heute immerhin schon Mal, dass ich dieses Gericht vor nun mehr schon fast einem Monat zubereitete, um damit bei dem von Shermin ausgerichteten bibliophil-kulinarischen Blogevent “Lesehunger!” teilzunehmen.

    Rezept, Buchvorstellung sowie Zitat der inspirierenden Textstelle folgen.

    Versprochen ;-)
    Gourmandise

  2. Mit etwas Druck scheint es zu klappen. ;-)
    Hier kommt zumindest schon Mal das Rezept:

    Zutaten
    (für 32 Pelmeni = eigentlich genug für 4 Personen)

    300g Mehl, 1 Ei (Größe M), 1 TL Salz, 75ml Wasser, 300g Hackfleisch (vom Schwein), 1 große Zwiebel, 25ml Wasser, Pfeffer, Salz, 1 Becher Schmand, 1 kleiner Bund frische Petersilie
    + etwas Mehl zum Ausrollen
    + etwas Wasser zum Formen
    + etwa 4 Liter gesalzenes Wasser und 1 Lorbeerblatt zum Kochen

    Vorgehensweise

    Die Zwiebel pellen und recht fein hacken.

    Das Hackfleisch kräftig pfeffern und salzen und unter Zugabe von etwa 25 ml Wasser mit den gehackten Zwiebeln vermengen.

    Das Mehl zusammen mit dem Ei, dem Salz und 75ml Wasser in eine Schüssel geben. Mit den Händen zu einem relativ festen Teig verarbeiten – sollte er zu klebrig erscheinen, noch etwas Mehl einkneten.

    Eine große Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben. Den Teig zu einer langen Wurst (mit etwa dem Durchmesser eines 5-Mark-Stücks) formen. Die Teigwurst dann halbieren, die Hälften wieder halbieren, die Viertel erneut halbieren, die Achtel auch wieder halbieren und abschließend ebenso mit den Sechzehnteln verfahren, sodass 32 etwa gleich dicke Scheiben herauskommen. Jede Scheibe unter Verwendung eines Nudelholzes zu einer flachen runden Teigplatte ausrollen und diese Teigplatten dann nebeneinander auf die bemehlte Arbeitsfläche legen.

    Mit angefeuchteten Händen aus der Hackfleischmasse Kügelchen formen und je eines mittig auf eine der Teigplatten legen.

    Mit jeder dieser mit einem Hackkügelchen belegten Teigplatten wie folgt verfahren:
    Den Rand der Teigplatte anfeuchten, die eine Hälfte der Teigplatte überschlagen – sodass (wohlwollend betrachtet) Halbkreise entstehen – und die Ränder fest aneinander drücken. Dann diesen Halbkreis anheben, zusammenbiegen und die beiden Ecken des Halbkreises zusammendrücken. Den so geformten Pelmen wieder zurück auf die bemehlte Arbeitsfläche legen.

    In einem großen Topf 4 Liter Wasser zum Kochen bringen. Dieses kräftig salzen und ein Lorbeerblatt hinzugeben.

    Die Pelmeni vorsichtig hinein gleiten lassen und im siedenden Wasser etwa 15 Minuten kochen.

    Währenddessen die Petersilie waschen und hacken.

    Die Pelmeni mit einer Schaumkelle heraus heben und in einer großen Schüssel direkt servieren.

    Schmand und Petersilie als Beilage bzw. Soße reichen.

    Weil es uns wieder so gut schmeckte, schafften wir immerhin zu zweit 22 der Pelmeni zu verputzen. Die restlichen gab es zwei Tage später als Pelmeni (in Butter angebraten) mit Rote Bete Salat. Auch lecker!

  3. Omnomnom! Den Vodka würde ich ketzerischerweise links liegen lassen, aber Pelmeni – lecker! :) Lieben Dank für’s Mitmachen und ich bin gespannt auf das Buch.

  4. Hallo Shermin,
    bis vor ein paar Wochen hätte ich Dir sogleich zugestimmt,
    denn Wodka konnte ich bisher – bei den wenigen Malen bei denen ich ihn probierte – auch nichts abgewinnen.
    Gerade den von Dir ausgerichteten Blogevent nahm ich jedoch zum Anlass, dieses Mal nicht nur das Gericht zu kochen sondern auch das dazu im Roman angebotene Getränk dazu zu reichen.
    Den Wodka
    Russischer Standard gab es tatsächlich für verhältnismäßig wenig Geld im örtlichen E-Center und er überraschte mich durchaus positiv.
    Ich kann mir somit nun vorstellen, dass ich den wieder kaufe, wenn ich das nächste Mal russisch koche.
    Mit bibliophil-kulinarischen Grüßen
    Gourmandise

  5. Folgend das Zitat der Textstelle, die mich allerdings nicht erst jetzt zum Nachkochen inspirierte, sondern mich bereits bei der ersten Lektüre dieses Romans dazu brachte, im Internet nach einem Rezept für Pelmeni zu suchen, so dass ich nun ein schon mehrfach bewährtes Gericht kochen konnte (Link zum ersten Mal: https://gourmandise.wordpress.com/2009/06/21/pelmeni-mit-smetana/).

    Heute bewirtete Martin seinen Onkel bei sich zuhause. Dergleichen kam nicht allzu häufig vor. Un da der Onkel ein strenges, wiewohl gerechtes Urteil abzugeben pflegte, bemächtigte sich Martins ein leichte Nervosität. Erst heute Morgen zur Erde zurückgekehrt, lief ihm nun die Zeit davon, weshalb er sich aufs Improvisieren verlegen musste.[…]

    Dem Tiefkühlfach entnahm er vor einiger Zeit hergestellte sibirische Pelmeni, schlichte Kost, die indes unter kundigen Händen ihre besten Seiten entfalten vermochte. Ach, wie erniedrigte und beleidigte man selbstgemachte Pelmeni doch mit all jenen schlaffen Teigklumpen samt ihrer Füllung aus Abfallprodukten, welche, angetan mit einem zellophanen Leichengewand, im Regal der nämlichen Abteilung im Supermarkt ihr gekühltes Dasein fristeten. Man darf dem falschen Lächeln der stets hungrigen Reklamehelden keinen Glauben schenken, fänden diese sich doch ohne weiteres dazu bereit, rohe Brühwürfel zu zerkauen! […]

    Nein, nein und nochmals nein!
    Echte Pelmeni kann man nur allein – allenfalls noch mit auserwählten, erprobten Freunden und Angehörigen des Haushalts – herstellen. Drei Sorten Fleisch sind zu empfehlen, jedoch nicht entscheidend. Weit wichtiger ist es, ausgewogen zu würzen, besonderes Maß sollte man beim Piment halten, großzügiger darf man Paprika einsetzen, obgleich wahre Kenner gänzlich auf dieses Gewürz verzichten. Die Kräuter, mit denen der schwere moldawische Boden Moskauer und Petersburger üppig beschenkt, leisten diesbezüglich gute Dienste. Jemand aus dem europäischen Teil Russlands sollte bereits im Frühjahr daran denken, Entsprechendes auf der Datscha zu säen. Sibirier haben es einfacher, sie brauchen nur in den Garten hinterm Haus zu gehen, bestenfalls ins nächste Wäldchen zu schlendern – und schon offenbart sich ihnen der ganze Reichtum der Taigakräuter. Noch bequemer ist es für all diejenigen, die als Kind nie an einer Schneeballschlacht teilgenommen haben, die in Asien oder auf der Krim leben, wo weithin alles, einfach alles, was nur sprießt, alles, was nicht giftig ist, zum Gewürz taugt. Unter keinen Umständen sollte man indes auf eine fertige Würzmischung zurückgreifen, schon gar nicht auf solche polnischer oder französischer Provenienz! Denn was, bitte schön, verstehen Polen und Franzosen schon von unseren, von russischen Pelmeni?!
    Martin liebte Pelmeni, bereitete den Teig mit großem Vergnügen zu, mit Herz sozusagen, während nebenbei der Fernseher lief und die Nachrichten verbrummelte. Geformt wurden die Pelmeni anschließend bei guter klassischer Musik. Rock verlieh ihnen eine ungewollt kantige Form, Pop brachte Monster hervor, die an alle nahen Verwandten zugleich denken ließen, an die usbekischen Manti, die tatarischen Etschpotschmaki und die armseligen italienischen Ravioli.
    Bekanntlich ist das entscheidende Merkmal guter Pelmeni der kräftige, schmackhafte Teig, der, dem Fleisch als Täschlein dienend, selbiges in einem Hauch der eigenen fetten Brühe wie in einem Dampfbad köcheln lässt. Ein Jammer ist es mit all jenen Pelmeni, die beim Kochen auseinanderfallen oder bei denen der Teig erbarmungslos um das Fleisch geklatscht wird, denn ihre wertvolle Brühe verströmt völlig ziellos im Topf.
    Den Tisch deckte Martin schlicht ein, in der Küche. In zwei Schüsselchen füllte er dicke Smetana, echte russische Smetana, kein europäisches Imitat à la saure Sahne mit Verdickungsmitteln, Antioxidantien und dergleichen Giftzeug. Den Ketchup brachte er, wiewohl er eine leichte Schwäche für ihn hegte, in Sicherheit, da er die Anspielungen onkellicherseits fürchtete, die allesamt nur recht und billig wären. Als im Treppenhaus der alte Lift polterte, witterte Martin instinktiv die Ankunft des Onkels, worauf er die Pelmeni in kochendes Wasser gab und dem Kühlschrank eine Flasche Russischer Standard entnahm, den einzigen Wodka, den die kranke Leber des Onkels ihm zu trinken gestattete. Die Flasche fasste keinen halben Liter, was unweigerlich nach einer zweiten verlangt hätte, auch keinen ganzen, wie er nur jungen und folglich leichtsinnigen Menschen zustand. Null Komma sieben fasste sie, wie es sich für kultivierte und maßvoll trinkende Russen geziemte, die weder bis weit in die Nacht zusammenzusitzen noch die Nachbarschaft mit ihrem Gesang zu erschrecken beabsichtigen.
    Der Onkel wusste die Pelmeni zu goutieren. Zwar aß er sie langsam und ohne jeden Kommentar, was Martin leicht irritierte, blickte jedoch vielsagend auf den Topf, kaum hatte er den ersten Teller verputzt. Folglich musste umgehend die zweite Portion aufgesetzt werden.

    [Sergej Lukianenko, Spektrum, aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann, München: Wilhelm Heyne Verlag 2009, S. 102-104]

    Wie man merkt, sah ich es 2009 noch nicht so eng, ein Gericht wirklich den Angaben im Roman entsprechend nachzukochen. Da reichte es mir (noch), ein authentisch russisches Rezept zu finden.

    Und weil die so zubereiteten Pelmeni uns inzwischen schon einige Mal gut schmeckten und zudem auf unserem Balkon auch eher die ausdrücklich abgelehnten französischen Kräuter (Rosmarin, Thymian, Salbei…) wachsen, blieb ich auch dieses Mal dabei, die Füllung nur zu salzen und zu pfeffern. Vielleicht recherchiere ich aber irgendwann doch, was für Kräuter in der sibirischen Taiga wachsen und probiere diese hier zu bekommen…

    Sowohl beim ersten Mal als auch bei allen folgenden bisherigen Zubereitungen nahm ich jedoch den Rat ernst, beim Formen der Pelmeni klassische Musik zu hören – auch wenn sie bei mir vielleicht trotzdem noch nicht ganz so aussehen wie von einer erfahrenen russischen Hausfrau geformt, ist mir immerhin kein einziger Pelmen beim Kochen auseinander gefallen. :-)

  6. Jetzt, da ich versuche, meinem Versprechen nachzukommen, das Buch „Spektrum“ vorzustellen, wird mir bewusst, wie wenig die ausgewählte Textstelle mit dem Thema des Romans zu tun hat.

    Die ausgewählte Textstelle war dennoch aus zwei Gründen richtig gewählt:

    Erstens hat sie mich schließlich dazu verleitet, Pelmeni auszuprobieren (s.o.).

    Zweitens ist sie typisch für den Autoren und macht hoffentlich nachvollziehbar, warum ich ihn so sehr schätze.

    Unabhängig, worum es in seinen Büchern ansonsten geht, findet Sergej Lukianenko nämlich immer Anlass kulinarische Empfehlungen unterzubringen. So trinken wir z.B. inzwischen abends gern ein Gläschen Ararat, weil Sergej Lukianenko in einem seiner Romane darauf hinweist, dass armenischer Brandy eigentlich besser schmecken würde als französischer Cognac, und wir es daraufhin auf einen Versuch ankommen ließen, bei dem wir feststellten, dass uns Ararat tatsächlich besser schmeckt als Remy Martin.

    Außerdem schafft Sergej Lukianenko in allen Romanen, die ich bisher von ihm las – egal ob Fantasy, Cyber oder Science Fiction -, liebenswürdige Beschreibungen von Eigenheiten der russischen Lebensweise zu integrieren und bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, wenn er mal wieder allzu menschliche Schwächen und das menschliche Geschick, diese zu entschuldigen, vorführt.

    Wie richtig die gewählte Passage auch in dieser Beziehung gewählt wurde, wird aber erst auf der darauf folgenden Seite deutlich, findet man dort doch den folgenden Absatz:

    Martin hatte es gerade mit einem raffinierten Zug geschafft, das Gespräch in ruhigere Bahnen zu lenken, als Shenka anrief und fragte, ob er, da in der Nähe, nicht auf einen Sprung vorbeischauen dürfe.
    Über den Besuch seines kleinen Bruders freute sich Martin, auch der Onkel taute sogleich auf – […]
    Martin stellte frische Pelmeni her und holte eine zweite Nullkommasiebenliterflasche aus dem Kühlschrank, denn er war nicht nur ein kultivierter und maßvoll trinkender, sondern auch ein vorausschauender russischer Mann.

    [Sergej Lukianenko, Spektrum, aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann, München: Wilhelm Heyne Verlag 2009, S. 105]

    und auf der darauf folgenden Seite dann:

    Als es auf Mitternacht zuging, wurde der Onkel allmählich müde und wollte aufbrechen. Das Angebot, bei Martin zu übernachten, lehnte er entschieden ab, desgleichen den Vorschlag ihn zu begleiten. Ein Taxi rief er prinzipiell nicht. Die fünfzig Meter bis zur nächsten Kreuzung würde er, wie er verkündete zu Fuß gehen, dort ein Auto finden, das in seine Richtung fuhr, und somit trefflich Geld sparen. Martin hätte es auf einen Streit angelegt, wäre ihm nicht eingefallen, dass an der Kreuzung eine Milizeinheit Dienst schob, die, sobald sie den angeheiterten Rentner erblicken würde, diesen in ein Taxi verfrachten und den Fahrer ins Gebet nehmen würde, den Alten bis vor die Haustür zu bringen. Von daher beruhigte Martin sich, verabschiedete seinen Onkel und holte aus dem Kühlschrank eine kleine, eine Halbliterflasche Wodka, war er doch nicht nur ein kultivierter und vorausschauender Russe, sondern auch ein erklärter Faulpelz, weshalb er von den Produkten vordringlichen Bedarfs Vorräte anlegte.

    [Sergej Lukianenko, Spektrum, aus dem Russischen von Christiane Pöhlmann, München: Wilhelm Heyne Verlag 2009, S. 106]

    Ich hoffe, damit ist verständlich geworden, warum ich diesen Autoren so mag.

    Gourmandise

  7. Nun soll aber tatsächlich das Buch „Spektrum“ vorgestellt werden, denn dieses ist schließlich eines der Bücher, die ich in den letzten Jahren am Liebsten las. Inzwischen habe ich es bereits zweimal gelesen und mir sogar dreimal als Hörbuch angehört. Jedes Mal fand ich es wieder gut.

    In der zitierten Textstelle (s.o.) gibt es immerhin einen Hinweis darauf, worum es in dem Buch geht, wenn es zu Beginn heißt „Erst heute Morgen zur Erde zurückgekehrt, […]“.

    Martin ist nämlich eine Art „interstellarer Privatdetektiv“.

    Er kann diesen Beruf ausüben, da er einer der wenigen Menschen ist, die immer wieder in der Lage sind, Geschichten zu erzählen, die die sogenannten „Schließer“ als Bezahlung für die Reise durch die Tore akzeptieren, die die verschiedenen Welten, die an dieses gigantische Transportsystem angeschlossen sind, verbinden.

    Typisch für Sergej Lukianenko wird auf die technischen Details dieses Transportsystems nicht näher eingegangen. Wichtiger sind die Fragen, was eine Geschichte zu einer Geschichte macht, die von den Schließern akzeptiert wird, warum die Schließer, die Erde an dieses Transportsystem angeschlossen haben und wer was von den Geschichten hat.

    Ich hatte auf jeden Fall etwas von diesen Geschichten. Ich finde viele von ihnen wirklich schön. Einige stimmten mich regelrecht nachdenklich. Sie tragen viel dazu bei, dass ich diesen Roman so sehr mag.

    Auch wenn die Geschichten auf den ersten Blick nur als „Bezahlung“ für die „Schließer“ gebraucht werden und in die Handlung eingebettet zu sein scheinen, wird nach und nach deutlicher, dass es darüber hinaus Zusammenhänge gibt.

    Abgesehen von diesen Geschichten finde ich aber auch die Welten, die Sergej Lukianenko Martin bereisen lässt, und die darin lebenden Wesen mit ihren zu ihnen passenden Gesellschaftsformen und damit zusammenhängenden ethischen Überzeugungen faszinierend.

    Beispielhaft genannt seien hier nur die Dio-Daos, eine nicht humanoide Rasse, die äußerlich Ähnlichkeit mit Kängeruhs, aber statt eines Fells eine sonnengebräunt wirkende Haut haben. Das Besondere an ihnen ist, dass sie Hermaphroditen sind, selbst nur ein halbes Jahr leben, aber immerhin die Möglichkeit haben, vor bzw. bei ihrem Tod einen ausgewählten Teil ihrer eigenen Erfahrungen (Wissen und Erinnerungen) an das Jungtier, welches in ihrem Beutel heranreift und gegen Ende ihres Lebens schon bewusst an diesem Teil haben kann, weiter zu geben. Interessant und überzeugend finde ich, was Lukianenko aus diesen grundlegenden Lebensbedingungen für die Lebenseinstellung der Dio-Daos ableitet und demensprechend den Alltag beschreibt. So benutzt der Dio-Dao Herbstgeborener, den Martin besucht, einerseits z.B. noch ein völlig veraltetes Telefon, weil es ja noch funktioniert und „Jede Sache, die etwas Altes ablöst, das noch nicht ausgediehnt hat, bedeutet Zeit, die fremdem Leben gestohlen wird.“, andererseits sind die technischen Errungenschaften unglaublich weit vorangeschritten, weil ein gelehrter Vater sein Wissen ja an seinen Sohn weitergeben kann, wodurch die Forschungen weitergehen können. Ich liebe in diesem Teil des Buches insbesondere die Passage, in der der junge Dio-Dao Eff-Eff, dem Martin in einem Gespräch vom „Bildnis des Dorian Gray“ erzählte und dann versuchte zu vermitteln, was „Science Fiction“ sei, einen Roman entwirft, in dem in zehn Jahren – nach Dia-Dao-Maßstäben also immerhin 20 Generationen – ein Mittel entdeckt wird, welches es Dia-Daos ermöglichen würde zehn Jahre zu leben und mehrere Kinder zu bekommen, dessen Hauptprotagonist aber nach etlichen schweren Schicksalsprüfungen zu dem Schluss käme, dass ein langes Leben ein intelligentes Wesen nicht automatisch glücklicher machen würde, dass die neuen Dia-Daos den früheren Dia-Daos, die nur ein halbes Jahr leben würden, also in keiner Weise überlegen wären, weil es ansonsten für den Leser doch zu traurig wäre…

    Ich hätte statt der Dia-Daos ansonsten eigentlich genauso gut die humanoiden Arankher, die absolut technikversessen und fortschrittsgläubig sind, zur Kurzvorstellung auswählen können, oder auch die Schealier, die am ehesten an flugunfähige Vögel erinnern und deren Intelligenz angezweifelt wird, oder die Bessarier, die eindeutig intelligenten Einzeller, welche sicherlich zu den außergewöhnlichsten Außerirdischen zählen, die ich in Romanen bisher kennenlernte, und die Sergej Lukianenko so beschreibt, dass man die Amöbe Pawlik regelrecht ins Herz schließt.

    Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass es auch einen Anlass für Martins Reise zu diesen Welten gibt und damit zur eigentlichen Handlung des Buches kommen:

    Der Hauptprotagonist, Martin, ist – wie ich einleitend bereits sagte – interstellarer Privatdetektiv. Als solcher erhält er den Auftrag, ein junges Mädchen, namens Irina, welches von daheim ausbüxte, zu suchen und dazu zu überreden, mit ihm zurück zur Erde zu kommen, wobei er ihr notfalls mit einer für die Schließer akzeptablen Geschichte helfen soll.
    Doch so einfach, wie der Fall zunächst aussieht, ist die Angelegenheit natürlich nicht, sondern wird im Laufe der Handlung immer komplexer, denn nach und nach wird deutlich, dass es eigentlich um etwas ganz anderes und viel grundsätzlicheres geht…

    Mehr mag ich nicht verraten.

    Hoffentlich ist mir gelungen, Interesse zu wecken.

    Gourmandise


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: