Blamensir

Blamensir


Erläuterung (mit Rezept)

Published in: on März 7, 2015 at 10:18 pm  Comments (6)  

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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. „Blamensir“ ist eine – sich von unseren modernen Essgewohnheiten deutlich unterscheidende – Süßspeise aus dem Mittelalter bzw. der frühen Neuzeit, auf welche mich der Roman „Süßes Gift und bittere Orangen“ von Eve Rudschies neugierig machte.
    Da mir sowohl dieses Buch empfehlenswert als auch dieses Gericht vorstellenswert erscheint, beteilige ich mich damit an dem von Shermin ausgerichteten Dauerevent „Lesehunger!“ bzw. „Ich bin lesehungrig“.
    Rezept und Rezension folgen demnächst.
    Gourmandise

  2. Ah, als Blancmanger ist es mir schon beim Lesen untergekommen. Bin sehr gespannt auf’s Buch und deine Rezeptversion! :)

  3. „Demnächst“ ist eindeutig „relativ“. ;-)

    Aber heute nehme ich mir endlich die Zeit, ein paar Anmerkungen zu dem Gericht und das Rezept zu veröffentlichen:

    Zunächst sei darauf hingewiesen, dass dieser Nachtisch zwar mir sehr gut schmeckte, er aber nicht nur außergewöhnlich, sondern ganz sicher auch nicht jedermanns Sache ist. Mein Mann z.B. mochte ihn nicht nur nicht – er konnte ihn überhaupt nicht essen.

    So hatte ich, weil ich vier Dessertschalen zubereitete, an zwei weiteren Abenden Blamensir zum Nachtisch: Blamensir (2. Tag) und Blamensir (3. Tag) :-)

    Allerdings war jede einzelne der Portionen eigentlich als Nachtisch zu viel. Die Hälfte hätte vermutlich gereicht, da der Nachtisch es, durch das viele Hähnchenfleisch wirklich in sich hat.

    Auch wenn ich mutmaße, dass mein Anteil an Hühnerfleisch vielleicht doch höher war, als eigentlich gedacht, da ich Brustfilets von Kikok-Hähnchen nahm und diese ja deutlich größer sind als die üblicher Weise in Supermärkten zu erwerbenden Brustfilets, würde ich es, wenn ich es nochmal machen sollte, beim gleichen Verhältnis bleiben, da das Hähnchenfleisch ja gerade das Besondere daran ist.

    Jedoch würde ich für 4 Personen nur die Hälfte zubereiten.

    Folgend nun trotzdem die Beschreibung, wie ich bei diesem Mal vorging:

    Zutaten
    (für 4 große Dessertschalen)

    6 Hähnchenbrustfilets (ohne Haut, Knochen und Fett), 300g Mandeln (gemahlene), 1 Liter Milch, 30g Butterschmalz, 30g Reismehl, 100g Zucker, 4cl Amaretto

    Vorgehensweise

    Die Milch in einer Sauteuse erwärmen. Die gemahlenen Mandeln zufügen. 1 Stunde ziehen lassen. Dann in ein feinmaschiges Sieb gießen. Die Mandelmilch darunter auffangen, die Mandelmasse dabei ordentlich ausdrücken.

    [Anmerkung am Rande: Die Mandelmasse wird für diesen Nachtisch nicht mehr benötigt, man kann sie aber im Kühlschrank einige Tage aufbewahren und dann z.B. Mandelbrei daraus zubereiten: https://gourmandise.wordpress.com/2015/03/12/mandelbrei-mit-apfeln/%5D

    Die Mandelmilch zurück in die Sauteuse gießen, den Zucker einrühren und dann kurz aufkochen lassen.

    Die Hähnchenbrustfilets in handlichere Stücke (= gedrittelt oder geviertelt) schneiden und so in die heiße, gesüßte Mandelmilch setzen, dass alle so gerade mit Flüssigkeit bedeckt sind. Bei geringer Temperaturzufuhr eine knappe 1/2 Stunde gar ziehen lassen.

    Die Hähnchenbrustfilets aus der Mandelmilch heraus nehmen.

    In einem breiteren Topf das Butterschmalz zerlassen. Die Reisstärke darin leicht anschwitzen und dann unter beständigem Rühren nach und nach die Mandelmilch dazu gießen. Anschließend die sich dennoch gebildeten Klümpchen mit Geduld glatt rühren. ;-) Dann weitere 30 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen.

    Während dessen die gegarten Hähnchenbrustfilets in einem Mörser – so fein wie man kann – zerstoßen. [Das geht viel einfacher als man vorher denkt!]

    Den Mandelpudding vom Herd nehmen, den Amaretto einrühren und mit dem Hähnchenbrustfilet durcheinander mischen.

    Auf Dessertschalen verteilen.

    Abkühlen lassen.

    Probieren.

    Mir hat es – wie oben schon erwähnt – sehr gut geschmeckt.

    Ich möchte darum durchaus Mut machen, diesen ungewöhnlichen Nachtisch selbst auszuprobieren.

  4. Danke für das Rezept. Wow.. mit 6 Hühnerbrüsten hast du dann aber wirklich eine große Menge. Wieviel haben die ungefähr gewogen?
    Liebe Grüße

  5. Mhm… Wieviele Gramm das waren, weiß ich leider nicht mehr genau… aber ich erinnere mich noch daran, dass ich überlegte, ob ich es nicht auf 300g reduzieren sollte, also auf genauso viel, wie es Mandeln waren, da mir das schön symmetrisch erschien… ich meine darum, dass es knappe 500g waren… 300g würden jedoch bestimmt auch reichen… ich würde das nächste Mal wohl von allen anderen Zutaten die Hälfte nehmen und beim Hühnerfleisch auf 150g-200g runter gehen.
    Ich hoffe, das hilft weiter.
    Gourmandise

  6. Den heutigen Sonntag will ich nutzen, um nun auch etwas zu dem Buch zu schreiben, welches mich dazu verleitete, Blamensir auszuprobieren.

    Zum Einstieg ein kurzes Zitat der zugehörigen Textstellle:

    „Sabina ließ aus der Küche ein Blamensir für ihren Bruder kommen. Das delikate Mus aus gesottener Hühnerbrust, Mandeln, leichtem Wein, Schmalz, kostbarem Reismehl und noch kostbarerem Zucker hielt sie zu dieser außergewöhnlichen Stunde für notwendig. Ludwig aß zur Vesper sowieso immer mehr als das übliche Brot mit Wein. Vor allem, so sagte sich Sabina, brauchte er jetzt eine Speise, die seine nach den Italienreisen grenzenlos gewordene Vorliebe für Süßes befriedigte und sein erhitztes Gemüt kühlte.“

    [Eve Rudschies, Süßes Gift und bittere Orangen, Meßkirch 2013, S.18]

    Das ist noch ganz am Anfang des Romans, kurz nachdem auf den vorgesehenen Verlobten der unehelichen Tochter des in Landshut residierenden Herzogs von Wittelsbach anscheinend ein (misslungener) Mordanschlag verübt wurde und kurz bevor in der Küche der Burg die Leiche des Boten vom Herzog von Württemberg, dem Sohn der Schwester des Herzogs von Wittelsbach, tot aufgefunden wird.

    Wirklich spannend im Sinne eines nervenaufreibenden Psychothrillers wird das Buch zwar auch im weiteren Verlauf nicht, doch fand ich das höfische Ränkespiel und die dahinter stehenden politischen Intrigen durchaus spannend in dem Sinne, dass mir häufig zweifelhaft erschien, wem zu trauen ist, wer welche Interessen verfolgt, wer mit wem warum koaliert, ich das ein oder andere Mal auf die falsche Spur geriet, sich am Ende aber alles* überzeugend klärte.

    Für ein lesenswertes Buch würde dies eigentlich schon reichen.

    Dass dieses Buch aber von mir in einem Essensblog vorgestellt wird
    und bei Shermins Dauerevent „Ich bin lesehungrig“ eingereicht wurde,
    liegt vor allem daran, dass schon recht am Anfang des Romans der Verdacht aufkommt, das ein von langer Hand vorbereitete Attentat auf den Herzog von Wittelsbach ganz allmählich auf kulinarische Art erfolgt. Dadurch entstehen jede Menge Anlässe, die in der frühen Neuzeit in Deutschland üblichen Speisen an Adelshöfen sowie die in der Zeit zunehmend aufkommenden Einflüsse aus den südlichen Ländern zu beschreiben, den alltäglichen Küchenbetrieb ausführlich zu schildern, die damals miteinander ringenden medizinischen Überzeugungen und damit zusammenhängenden Ernährungsempfehlungen einzubeziehen, aber auch die mit dem Essen verbundenen Standesunterschiede zu thematisieren.

    Eve Rudschies gelingt dies großartig.

    Niemals hatte ich – wie bei anderen historischen oder noch schlimmer wissenschaftsbezogenen Romanen – den Eindruck nun einen belehrenden Einschub überblättern zu müssen/können, sondern stets empfand ich die Hintergründe in das jeweilige Geschehen oder die wiedergegebenen Diskussionen einbezogen. Und häufig war gerade dabei wichtig darauf zu achten, wer was warum wann zu wem sagt, und welche Interessen damit verfolgt werden bzw. welche Ängste/Befürchtungen eigentlich dahinter stehen.

    Man merkt sicherlich, wie angetan ich noch immer von diesem Buch bin, welches ich darum gern weiterempfehle.

    Mit kulinarischen Grüßen
    Gourmandise

    *
    Vielleicht abgesehen von dem Mordanschlag auf den Bräutigam, mit dem der Roman beginnt und den ich gleich als zu gewollt reißerischen Auftakt, eigentlich unnötig und darüber hinaus auch immer noch als übertrieben erachte. Diese kleine Schwäche, meiner Einschätzung nach einfach wie die auf den Bestsellerlisten zu findenden Bücher auch mit einer tödlichen Bedrohung starten zu wollen, bin ich bei einem ansonsten großartigen Buch jedoch gern bereit zu verzeihen. Vielleicht habe ich aber auch nur nicht genügend Sinn für Romantik/Eifersucht, um das Motiv nachvollziehen zu können…


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