„Omamas Crème Chocolat“ aus dem Buch „La Dolce Vita“

"La Dolce Vita" von Isabel Coe
Omamas Crème Chocolat

Erläuterung

Published in: on Dezember 29, 2014 at 5:22 pm  Comments (6)  

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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Das Buch „La Dolce Vita“, welches in der deutschen Übersetzung zudem den vielversprechenden Untertitel „Meine Familie und ihre Schokoladenrezepte“ trägt, wurde mir von einer Freundin und ihrer Freundin kurz vor Weihnachten (aber ausdrücklich nicht zu Weihnachten!) geschenkt, weil sie sich ziemlich sicher waren, dass das ganz meinen Geschmack treffen würde.

    Gespannt blätterte ich gleich am ersten Abend darin und stieß dabei als erstes auf das Rezept zu “Omamas Crème Chocolat”. Das klang super einfach zuzubereiten und auch die Hintergrundgeschichte dazu gefiel mir. Sogleich stand fest, dass das mein nächster Beitrag zu dem von Shermin ausgerichteten bibliophil-kulinarischen Blogevent „Lesehunger!“ werden würde – und ich blieb dabei, obwohl ich bei der weiteren Lektüre noch auf viele weitere nachkochenswürdigklingende Rezepte und interessante Familiengeschichten stieß.

    Vielleicht sollte ich zunächst aber kurz umreißen, von was für einem Buch ich hier überhaupt berichte:

    Es geht um das Buch „La Dolce Vita“, welches von Isabel Coe verfasst wurde. Sie erzählt darin die Geschichte ihrer Familie – bzw. eigentlich eher ihrer Urgroßmutter, ihrer Großmutter, ihrer Mutter und von sich selbst – begleitet von jeweils für die Zeit/Situation/Person typischen Schokoladenrezepten. Man kann es entweder chronologisch von vorn nach hinten lesen. Oder – wie ich – darin blättern, an einem Rezept hängen bleiben und dann die Begleitumstände im umgebenden Text entdecken. Mir gefiel bislang jede Passage, die ich las, und ich habe inzwischen bestimmt die Hälfte des Buches gelesen…

  2. Bevor ich die Passage zitiere, die zu “Omamas Crème Chocolat” gehört, möchte ich doch noch die Familienchronik kurz umreißen, denn es ist sicherlich gut zu wissen, dass die Urgroßmutter der Autorin aus einer wohlhabenden Familie in der Schweiz stammt, sodass die Großmutter der Autorin schon damals (vor dem zweiten Weltkrieg) studieren und für ein Auslandsjahr an die Universität von Florenz gehen konnte, wo sie den späteren Großvater der Autorin kennenlernte, einen fleißigen Italiener aus einer armen Familie. Die Großmutter zog zu ihm nach Italien, sodass die Mutter der Autorin den größten Teil ihrer Kindheit durch ein italienisches Umfeld geprägt wurde. Als junge Erwachsene ging sie dann jedoch nach London, wo sie einen polnischen Juden kennenlernte, der der Vater der Autorin werden sollte. Die Autorin selbst wuchs dementsprechend in England auf. Während ihres Studiums ging sie dann zunächst für ein Jahr nach Frankreich (Nanterre) und dann für ein Jahr nach Italien (Rom) bevor sie mit ihrem Mann nach Australien zog, wo sie nun mit ihm und zwei Kindern lebt.

    Nun aber zum Zitat:

    Nonno war seine Familie sehr wichtig, und er wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, in die Schweiz zu ziehen, solange seine Eltern noch lebten, deshalb ging Nonna zu ihm nach Italien. Es war schwierig für sie in Mailand, und am Anfang war sie sehr einsam. Ihre Familie fehlte ihr, aber bald schon lernte sie die gleiche Lektion, die meine Mutter lernte, als sie von zu Hause wegging, und die ich jetzt lerne – Familienrezepte lassen einen den Trennungsschmerz leichter ertragen. Wenn es vertraut duftet und der Magen voll ist, ist die Sehnsucht nach zu Hause einen Moment lang nicht so heftig.

    Bald nach der Hochzeit kam mein Onkel Corrado zur Welt und ein Jahr später meine Mutter. Nonna, die einmal eine stolze, unabhängige junge Frau gewesen war, wurde rasch eine »Hausfrau«, die ihre Familie bekochte. Omamas Rezepte ließen sie dabei nie im Stich. In der Hitze Mailands backte sie Weihnachtsplätzchen; sie kochte Hernli, eine Schweizer Version von Makkaroni mit Käse, als die Kinder klein waren, und sie bekehrte Nonno sogar zu Fondue. Aber ihr Lieblingsfamilienrezept war eines, das sie in Omamas grüner Kladde gefunden hatte – Crème Chocolat. Sie fand, es klang überaus raffiniert, und erfand unzählige neue Varianten für die Bridgeabende, die bei ihnen zu Hause stattfanden. Nonno, der an die traditionelle italienische Küche seiner Mutter gewöhnt war, hasste diese zuckrigen Cremedesserts. »Das ist nicht italienisch«, dröhnte er mit seiner sonoren Stimme. »In Italien isst man keine Cremes.« Aber sie machte sie trotzdem und versah jedes Rezept in ihrem Buch mit handschriftlichen Kommentaren wie »sehr gut« oder »fein!«, wenn ihr etwas besonders gut gelungen war.

    [Isabel Coe: La Dolce Vita. Meine Familie und ihre Schokoladenrezepte, deutsch von Theda Krohm-Linke, München: Limes Verlag, 2006, S. 31-33]

    Bei der Zubereitung hielt ich mich – da ich diese Creme das erste Mal zubereitete – ziemlich genau an die Vorgaben. Ich halbierte lediglich die Zutaten, sodass ich statt der angegebenen 8 Portionen auf 2 Dessertschalen (wie auf dem Foto zu sehen) kam, und verwendete statt der Vanilleschote 1/4 Teelöffel gemahlene Vanille. Also:

    Zutaten

    150ml Schlagsahne, 1/4 TL gemahlene Vanille, 75g dunkle Schokolade (ich nahm: Herrenschokolade mit 60%), 1 EL + 1 TL + 1/2 TL Wasser (also 22,5 ml), 1 EL Zucker

    Vorgehensweise

    Die gemahlene Vanille in die Schlagsahne geben und (wenn Zeit ist) ziehen lassen. (Ich gönnte ihr dieses Mal 3 Stunden, da in meiner Variante die Vanille darin bleibt, könnte man wahrscheinlich aber auch direkt fortfahren.)

    Die Schokolade in Stücke brechen und in eine Schüssel geben, die groß genug ist, den gesamten Nachtisch zu fassen.

    In einem Wasserkessel Wasser zum Kochen bringen, die benötigte Menge abmessen und zu der Schokolade in die Schüssel geben. Mit einem Schneebesen langsam verrühren bis die ganze Schokolade aufgelöst ist. Dann den Zucker einrühren.

    Nun in einem schmalen höheren Gefäß die Vanillesahne unter Verwendung eines elektrischen Handrührgeräts mit Quirlen zu einer recht festen Sahne schlagen.

    Die Sahne anschließend unter die Schokoladenmischung ziehen.

    Direkt servieren.

    und dann, wie es im Buch heißt,

    „Langsam essen und jeden Löffel voll genießen.“

    Uns schmeckte diese Creme ausgezeichnet.
    Wir werden sie bestimmt bald wieder zubereiten.
    Vielleicht genauso, vielleicht aber auch in einer Variante,
    denn mir fiel spontan ein, dass gehackte Rauchmandeln sicherlich als Topping gut damit harmonieren würden, während meinem Mann Rumrosinen als interessante weitere Zutat einfielen…

    Unabhängig davon kann ich Buch und Rezept auf jeden Fall weiterempfehlen!

  3. Ich liebe kulinarische Literatur.
    Dieses Buch werde ich mir im neuen Jahr gleich mal besorgen.
    Danke für den Tipp…. und guten Rutsch!

  4. Hallo Susanne,
    es freut mich, dass Dich meine Literaturempfehlung angesprochen hat.
    Vielleicht magst Du nach der Lektüre hier ja kurz berichten, ob Dir das Buch auch gefallen hat…
    Dir jetzt aber erstmal ebenfalls einen guten Start in das Jahr 2015 wünschend
    Gourmandise

  5. Liebe Gourmandise,
    ganz lieben Dank für das schöne Schokoladenrezept (so ein klitzekleines Schälchen davon würde ich sofort nehmen ;)) und die Vorstellung des Buches. Die Zusammenfassung ist eben auch online gegangen. Liebe Grüße & die besten Wünsche für ein köstliches Jahr!

  6. Liebe Shermin,
    es war mir eine Freude, mich an Deinem Blog-Event zu beteiligen.
    Freut mich, dass Dich das Schokoladenrezept anspricht.
    Deine Zusammenfassung werde ich mir gleich in Ruhe durchlesen.
    Ich bin schon gespannt, was Du und andere beigetragen haben.
    Mit kulinarischen Grüßen
    und guten Wünschen für 2015
    Gourmandise


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